Ein Spielzeug für Männer ist es zwar irgendwie schon, doch mit der neuen Wärmebilddrohne der Freiwilligen Feuerwehr Liesenich und Strimmig soll in der Verbandsgemeinde (VG) Zell nicht nur gespielt werden. Das Gerät ist dazu da, um im Notfall Leben zu retten und Einsätze aus der Luft zu dirigieren.
Aus eigener Initiative hat Guido Schmitz, Wehrführer von Liesenich, rund 100 Firmen in der VG Zell angeschrieben und um Spenden gebeten. Mit Erfolg. Zu mehr als zwei Drittel der Kosten konnte die Finanzierung des rund 13.000 Euro teuren Geräts auf diese Weise sichergestellt werden. Kurz vor Weihnachten hat Schmitz die Drohne bei einem Fachhändler in Kirn abgeholt. Seitdem wird bei den Wehrleuten fleißig geübt. „Ganz neu ist die Bedienung einer Drohne für uns nicht“, betont Florian Wolfs, stellvertretender Wehrführer von Strimmig. Denn schon seit 2018 – sozusagen als Vorreiter in der VG Zell – haben die Strimmiger und Liesenicher Wehrleute eine Drohne im Einsatz. „Die wurde damals auch komplett aus Eigenmitteln angeschafft“, sagt Schmitz.
Ulrike Platten-Wirtz
Inzwischen gehören Drohnen bei der Freiwilligen Feuerwehr fast zur Standardausrüstung. „Dazu hat auch die Katastrophe im Ahrtal beigetragen. Die Wehren wollen einfach besser aufgestellt sein für Notfälle“, weiß Strimmigs Wehrführer Bernd Binzen.
Im Einsatz war die alte Drohne der Hunsrücker bereits mehrfach. „Beispielsweise bei einer Personensuche oder bei Dachstuhlbränden haben wir damit gearbeitet. Und auch Luftaufnahmen bei Unfällen für die Polizei haben wir gemacht“, erinnert sich der Altstrimmiger Johannes Pies.
„Langfristig sollen auch Kameraden aus anderen Orten der VG Zell die Online-Schulung mitmachen. Denn die Drohne steht ja der gesamten VG Zell zur Verfügung.“
Johannes Pies
Dank der Wärmebildfunktion können aus der Vogelperspektive sowohl vermisste Personen als auch Glutnester im Brandfall ausgemacht werden.
Nach sechs Jahren ist die Technik der alten Drohne jedoch nicht mehr auf dem neuesten Stand. „Inzwischen gibt es bessere Geräte mit viel höherer Auflösung“, bestätigt Binzen.
Ulrike Platten-Wirtz
Da die Freiwilligen Feuerwehrleute aus Strimmig und Liesenich ohnehin in der Regel gemeinsam alarmiert werden, bietet sich eine enge Zusammenarbeit auch in Sachen Drohne an. Acht Kameraden haben sich zu Fernpiloten ausbilden lassen und können sich mit einem entsprechenden Zeugnis auch als solche ausweisen. Sechs weitere Wehrleute sind derzeit in Ausbildung. „Langfristig sollen auch Kameraden aus anderen Orten der VG Zell die Online-Schulung mitmachen. Denn die Drohne steht ja der gesamten VG Zell zur Verfügung“, fügt Pies an.
Mit zwei Akkus gleichzeitig betrieben, kann die Drohne rund 40 Minuten am Stück in der Luft bleiben. „Danach muss mit Ersatzakkus nachgeladen werden. Das geht aber relativ einfach, denn dadurch, dass es zwei Akkus gibt, kann bei laufendem Betrieb gewechselt werden“, erklärt Wolfs.
Ulrike Platten-Wirtz
Flüge mit Drohen müssen, auch wenn es sich um Notfalleinsätze handelt, beim Luftfahrtbundesamt gemeldet werden. „Gerade hier im Hunsrück ist das wegen der Nähe zum Flugplatz Hahn wichtig“, weiß Binzen.
Für die Zukunft ist die Feuerwehr der VG Zell mit der neuen Wärmebilddrohne nun gut aufgestellt. Doch ausruhen wollen sich die Kameraden auf der Neuanschaffung nicht. „Es gibt noch einiges, was mit Zubehör optimiert werden kann“, sagt Wolfs. „Mit einer zweiten Fernbedienung beispielsweise kann sich einer auf das Fliegen konzentrieren, während ein weiterer Kamerad die schwenkbare Kamera bedient“, fügt Wolfs an. Über einen Lautsprecher verfügt die neue Drohne bereits. Damit hat man die Möglichkeit für Durchsagen an die Bevölkerung. „Der Lautsprecher hat 120 Dezibel. Das ist schon richtig laut, um Menschen aus der Luft zu informieren“, sagt Schmitz.
Ulrike Platten-Wirtz
In Zukunft soll auch eine spezielle Drohnen-Alarmierungskette eingerichtet werden. „Wenn nur die Drohnenexperten gefordert sind, muss der Alarm nicht zwangsläufig an alle Wehrleute rausgehen“, erklärt Binzen. Aber so weit sei man derzeit noch nicht. Wichtig ist aber, dass genügend Kameraden den Fernpilotenführerschein besitzen. „Gerade für die Tagesalarmierung, wenn die meisten auf der Arbeit sind, ist es wichtig, dass immer drei oder vier Leute schnell erreichbar sind“, betont Schmitz.
Sogar bei stürmischen Böen, die im Hunsrück nicht selten sind, kann die Drohne eingesetzt werden. „Bis zu einer Windstärke von 50 Kilometer pro Stunde ist das gar kein Problem“, weiß Schmitz.
Damit die Fernpiloten auch äußerlich zu erkennen sind, ist die Anschaffung von Jacken mit einem speziellen Aufdruck geplant. Offiziell in Dienst genommen wird die Drohne im Beisein von Zells VG-Chef Jürgen Hoffmann, am Kirmessonntag, 19. Januar, im Bürgerhaus in Altstrimmig.
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